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Prof. Dr. Dr. Dr. Adorján F. Kovács

Der Padels Kern
Qualitätsferne Kriterien bei der Besetzung einer Spitzenstelle

Bei der Besetzung von Spitzenpositionen im demokratischen Westen (sei es im Fernsehen, der Politik, an der Universität) hat man offenbar nur noch die Wahl zwischen Frauen, Schwarzen und Migranten, eventuell noch Homosexuellen. Man muss zu einer tatsächlich oder angeblich benachteiligten Gruppe gehören, deren Benachteiligung aufgrund brachialer Quotenregelungen aufgehoben werden soll – fachliche Qualität hingegen wird zumindest öffentlich gar nicht mehr diskutiert.

Am 17. Mai 2009 stand im GUARDIAN zu lesen: “Ruth Padel elected first female Oxford professor of poetry.”  Wer ist eigentlich Ruth Padel? Zunächst einmal die Ururenkelin Charles Darwins, wie uns die Zeitung im Untertitel mitteilt. Wirklich beschrieb sie das Leben ihres Ahns in Versen. Hingegen ist sie durchaus auch eine anerkannte englische Lyrikerin.

Kommentar von Dr Sally Mapstone, Vorsitzender des Anglistik-Fakultätsrats der Oxforder Universität: "It is tremendous that May 2009 has seen the election of the first woman professor of poetry at Oxford and the first woman poet laureate. Ruth Padel will be a dynamic and distinguished professor, and we are very pleased to welcome her."

Der Tenor dieser Aussage wurde in der deutschen Presse noch übertroffen – man beachte die Wortwahl: „Die 62 Jahre alte Ruth Padel ist ... als erste Frau auf den seit 1708 bestehenden Posten [der Professur für Poesie in Oxford] berufen worden. ... Die Wahl der Lyrikerin ... folgte kurz nach der Ernennung Carol Ann Duffys zur ersten Hofdichterin. Damit sind die beiden Spitzenstellen der britischen Dichtkunst binnen Wochen von Frauen besetzt worden“, jubelte Gina Thomas am 18. Mai 2009 in der FAZ. Halleluja!

Es ist nicht nur der Vorgang an sich, der die mittlerweile allgegenwärtige Gleichstellungsideologie beispielhaft illustriert, sondern der triumphierende Ton, in dem diese Mitteilung in einer der wichtigsten Zeitungen Deutschlands gebracht wurde.

Der hohe Favorit bei der Kür war Derek Walcott. Wer ist Derek Walcott? Neben Seamus Heaney und dem mittlerweile verstorbenen  Joseph Brodsky gilt er als einer der größten Lyriker der letzten Jahrzehnte. Leider hat er einen wesentlichen Nachteil – er ist ein Mann.

Allerdings hat er auch einen wesentlichen Vorteil: er ist schwarz. (Entsprechend die FAZ zur Niederlage Walcotts: „Um ein Haar ... hätte Oxford sich stattdessen des ersten farbigen Inhabers der Professur rühmen können.“ Man denkt bei der Folgerichtigkeit solcher Kommentare unwillkürlich an Pawlows Hund.) Damit war bei der Wahl für die Poesie-Professur eine ideale Konstellation vorhanden. Der dritte Kandidat im Bunde war nämlich ein Inder, Arvind Krishna Mehrotra.

Nun konnte man gespannt sein, welches Stigma den Sieg davontragen würde. Die benachteiligte Frau, der verachtete Schwarze, der unterdrückte Ausländer? Keine leichte Entscheidung im heutigen Milieu der Gleichstellungspolitik; die Qual der Wahl machte besondere Mittel erforderlich.

Ganz im Sinne des verallgemeinernden ideologischen Diskurses, dem sich das „Gender-Mainstreaming“ verschrieben hat, demzufolge alle Männer gewalttätig und lüstern sind, wurde eine Verleumdungskampagne gegen Walcott gestartet (von der FAZ immerhin schon am 18. Mai als „schmutziges Spiel“ gebrandmarkt). Inhalt dieses Rufmords waren angebliche sexuelle Übergriffe Walcotts auf Studentinnen vor über 25 Jahren (!) in Harvard und Boston. Entsprechende „Dokumente“ wurden „einer Vielzahl von Akademikern“ von „anonymer Seite“ zugespielt. Walcott trat daraufhin von seiner Kandidatur zurück. Ruth Padel mag lediglich die Nutznießerin dieser Kampagne gewesen sein, aber so unschuldig, wie sie sich selbst zunächst darstellte, war sie doch nicht. Am 25. 5. musste G. T. (diesmal nicht unter vollem Namen) in der FAZ zurückrudern und deutlich weniger begeistert von „neuen Vorwürfen gegen Ruth Padel“, nämlich von E-Mails Padels an Journalisten berichten, in denen sie ins gleiche Horn gestoßen hatte: Sie verwies in Beantwortung der Frage, was Walcott denn für seine Studenten täte, auf ein Buch mit dem schönen Titel „Der lüsterne Professor“.

Am 27. 5. 2009 titelt dann die FAZ ganz knapp: „Ruth Padel tritt zurück“ – und zieht das ernüchternde Fazit: “Die Position der ersten Frau auf dem mehr als dreihundert Jahre alten Posten war untragbar geworden”. Die Stelle ist bis heute unbesetzt. Die NZZ vom 5. Juni stellt „die Frage, wer kandidieren wird, wenn im Oktober in Oxford ein zweiter Anlauf genommen wird... Derek Walcott – gegenwärtig der beste Anwärter auf das Amt, zudem erstmals ein Schwarzer – ist laut eigenen Worten «nach dieser kläglichen Erfahrung» nicht mehr interessiert.“
Man kann es verstehen. Denn was die Presse unterschlägt: Ganz nebenbei verrät dieses peinliche feministische Manöver ein gehöriges rassistisches Element - der Schwarze ist natürlich sexuell besonders aggressiv.

Der INDEPENDENT zitierte am 26. Mai noch Priyamvada Gopal, Professor für postkoloniale Studien in Cambridge: “What disappoints me is that there was a genuine point to be made about opening these sorts of traditional posts up to a wider demographic but now that debate has been mired. It has also trivialised the issue of sexual harassment at academic institutions." Diese Äußerung zeigt, wie kritiklos tief – neben den Medien – auch in den Köpfen der akademischen Eliten schon der Ungeist der Gleichstellungspolitik eingebrannt ist. „A wider demographic“ heisst nichts anderes, als dass – unabhängig von der fachlichen Qualität eines Bewerbers für ein akademisches Amt – nach Gruppen Ausschau gehalten wird, deren Quotenziele bei der Besetzung erfüllt werden sollen. Die Kapitulation ist total. Pflichtbewusst geht dann der Professor noch auf das Problem der „sexuellen Belästigung an akademischen Einrichtungen“ ein, das er selbstverständlich ernst nimmt und das ja bekanntlich zur Daseinsberechtigung von Frauenbeauftragten beiträgt.

Man hat den Eindruck, dass man bei der Besetzung solcher Stellen davon ausgeht, dass alle Bewerber fachlich mehr oder weniger gleich gut qualifiziert sind, sich eine Auswahl nach Qualität erübrigt. Also werden bewusst andere Kriterien gesucht, anhand derer man zu einer Entscheidung kommt. Letztlich hat man sich damit aber aus der Pflicht genommen, qualitätsgebundene Kriterien zu verfeinern, und von der Universität als einer unabhängigen und primär wissenschaftlich orientierten Institution verabschiedet.


Prof. Dr. Dr. Dr. Adorján F. Kovács ist Gesichtschirurg in Nauheim bei Rüsselsheim, arbeitet auch publizistisch und veröffentlichte u. a. „DAUER, FORM und LEBEN.
Zur Konzeption und Rezeption von Karlheinz Stockhausens LICHT“ im Gedenkband für Karlheinz Stockhausen.

Aufsätze:
Dr. Alexander Ulfig: "Qualifikation statt Gleichstellung. Schritte zu einer gerechteren Praxis der Stellenvergabe"
Paul-Hermann Gruner: "Merke: Grundgesetz, Artikel 3, Absatz 3. Vom nötigen Ende der Bevorzugungspolitik für Frauen - auch in Hochschulen und Universitäten"
Fabian Heinzel: "Quoten und Kollektive"
Friedrich Jentzsch: "Gleichstellungs-Controlling. Eine Podiumsdiskussion an der Frankfurter Goethe- Universität"
Prof. Dr. Josef C. Aigner: "Uni-Räte im Bann des männlichen Blicks?"
Prof. Dr. Gerhard Amendt: "Die Opferverliebtheit des Feminismus oder: die Sehnsucht nach traditioneller Männlichkeit."
Prof. Dr. Günter Buchholz: "Ideologiekritische Thesen zur Problematik der "Frauenpolitik": Plädoyer für eine wirksame, eine angebotsorientierte Frauenpolitik"
Prof. Dr. Günter Buchholz: "Frauen- und Elitenpolitik in den Hochschulen"
Aufsätze:

Rezensionen: